Die Zeit ist nicht eine einzige, nein, vier verschiedene Zeiten gilt es, zu erkennen und zu benutzen. Darin ruhen die Schlüssel es ARCANUM ABRAXUM, des magischen Umgehens mit der Zeit, mit den Zeiten.

Zwei Zeiten heißt es in dieser Welt, zwei Zeiten gibt es im Jenseits, und überdies gibt es die Zeitlosigkeit, die allein dem Göttlichen gilt.
Die erste Erdenzeit ist jene, die alle kennen, nach der die Menschen Jahr, Tag und Stunde benennen. Diese ist da hier allgemein von Bedeutung.
Im magischen Handeln aber wird diese häufig durchdrungen von der zweiten Erdenzeit; und dieser liegt zu Grunde das folgende:

Als Gott der Herr, welcher ist Christus, die Erde mit Allem was zu ihr gehört erschaffen hat, da erschuf Er auch alle Zeiten auf einmal. Er selbst steht ja über jeglicher Zeit. Darum sieht der Blick Gottes auch alles immer zugleich, sämtliches ist für Ihn allzeit da: Das, was wir Vergangenheit nennen, das, was wir als Gegenwart erleben, und das auch, was wir Zukunft heißen. Alle Zeiten sind eine Zeit nur für Gott und die gottähnlichen Wesen des Jenseits. Alles ist also immerzu da, auf eine für uns Menschen kaum merkliche Weise.

Das Zukünftige ist aber trotzdem noch nicht gewiß. Als Gott der Herr die Zeitenläufe bildete, da tat Er es mit allen zugleich, in dem Er alles, was möglich werden könnte, vorhersah und möglich machte, aber noch ohne es so oder so zu bestimmen. Einfluß auf alles soll ja nehmen der freie Wille der Menschen, so gestalten ihre Zeit sie sich selbst, ob gut oder übel. Also gibt es von jeder Zeit, die in Zukunft wirklich werden könnte, sehr viele unterschiedliche Formen. Wie die Menschen sich verhalten und was dadurch ihre Eigenschwingungen aus-strahlen, unbewußt, das entscheidet darüber, welche der möglichen Formen der Zeit Gestalt annehmen. Alle unbenutzten Vorlagen für die Zeiten löst Gott der Herr danach jeweils auf.

Weil alle Zeiten aber immer schon da sind, wenn auch vorerst stets nur in Möglichkeitsformen dessen, was wird verwirklicht werden, ist es auch an dem, daß jeder Mensch die Zeitspanne seines Erdendaseins zweifach erlebt: Einmal in voller Bewußtheit, und zugleich auch nochmals ohne davon zu wissen.
Daraus ergibt sich die zweite Erdenzeit. Auch diese durchlebt jeder Mensch immerzu, bloß meistens ohne davon viel zu ahnen.
Denn die zweite Erdenzeit ist von einer Art, die sich schwerlich wahrnehmen läßt. Sie besteht nämlich in sich selbst aus lauter unmeßbar kurzen Zeiträumen, so winzig, kürzer als der schnellste Augenblick, und doch immerzu geschehend.

Weil nun die zweite Erdenzeit die erste unablässig durchdringt, bilden sich auch Zeitritzen der zweiten Erdenzeit in der ersten, durch welche blickt, wer es versteht;
und manchmal fällt unverhofft ein Blick durch solch eine Zeitritze, so daß der Mensch meint, was er sieht schon zu kennen, obgleich er es aus der ersten Erdenzeit nicht kennen kann, vielmehr nur unbewußt durch eine Zeitritze in der zweiten Erdenzeit ganz flüchtig einmal sah.

Also durchlebt jeder Mensch von der Geburt bis zum irdischen Sterben zwei parall bestehende oder verlaufende Zeiten von unterschiedlicher Art: die erste Erdenzeit, die gut wahrnehmbar dahinfließende, und die zweite Erdenzeit, die kaum merkliche, welche ist mit der ersten verwoben.

Wer kundig ist in der Magie des hohen ABRAXAS, versteht diese beiden Zeiten wie eine zu nutzen. Dies ist von gutem Wert, um durch Zeiträume von bis zu wohl zehn oder einigen mehr Jahren nützliche Kundschaft zu erlangen; aber auch, um die Gemeinschaft durch alle Zeitläufe in sich selber zu festigen.

Zu den beiden Erdenzeiten gibt es noch die beiden Zeiten des Jenseits. Die erste davon ist die Zeit der Art, wie sie im Grünen Lande abläuft, wie diese Hauptebene alles Jenseitigen genannt wird.

Diese Zeit ist nicht immer gleich, nein, die erste Jenseitszeit kann sich ausdehnen oder auch zusammenziehen; für den Besucher aus dem Irdischen ist das voller Merkwürdigkeit, wie überhaupt sehr vieles dort drüben im Grünen Land.

So kann es geschenen bei einer Wanderung durch die Grüne Wand von hüben nach drüben und sodann zurück, daß dort nicht viel Zeit verstrichen zu sein schien, sich aber bei der Rückkehr herausstellt, im Irdischen sind viele Jahre vergangen, vielleicht gar Jahrhunderte. Oder es schien ein langer Aufenthalt im Grünen Lande gewesen zu sein, nach der Rückkehr vergingen auf Erden aber nur wenige Stunden.

Das liegt an den Wolken, jenen grünlichen Nebeln, die ständig das Grüne Land durchziehen; denn die tragen verschiedene Schwingungen, welche auch maßgebend für die erste Jenseitszeit sind. Je dichter dort drüben die Wolken, um so langsamer verstreicht da die Zeit, und wo kaum Wolken sind, da eilt sie dahin.

Wer so wandern möchte, dem genügt aber nicht allein die Magie des ABRAXAS; um die Schwellen zu überschreiten, bedarf es obendrein des MAKA’ARA.
Das ABRAXAS regelt alles, was anbelangt die Zeiten, das MAKA’ARA aber regelt, was anbelangt die Räume.

Die zweite Jenseitszeit ist das Zeitmaß der jenseitigen Welten. Dieses gilt nicht in allen gleich. In einer bestimmten Jenseitswelt indes bleibt der Zeitlauf stets derselbe.
Über den Zeiten ist die Zeitlosigkeit, das unmeßbare Maß Gottes aus der zeitlosen Ewigkeit und der raumlosen Unendlichkeit. Weder die Menschen noch die Wesen des Jenseits vermögen dies zu erfassen, das bleibt bei Gott dem Herrn Christus allein. Das Magische indes tun wir selbst.

(Marchesa Antonia Contenta, um 1530)

 

Quelle: C.Arlington

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